Nachruf: Alfred Kalb

 
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JÜRGEN OVERHOFF / Main-Echo

Nachruf: Der Unternehmer, Musiker, Komponist und große Aschaffenburger Kulturförderer Alfred Kalb ist Anfang September gestorben.

ASCHAFFENBURG. Es waren immer besondere Momente, wenn Alfred Kalb die Redaktion besuchte, um seine neuen Projekte vorzustellen. Es kam ein feiner und zugleich feinsinniger Mensch. Fast schüchtern trug er seine Anliegen vor. Jedoch immer mit einem schelmischen Witz. Alfred Kalb wird nicht mehr an die Tür der Redaktion klopfen. Am 1. September ist er im Alter von 87 Jahren an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben.

Wer diesem Mann begegnete, kam schnell zu der festen Überzeugung, einem Berufsmusiker gegenüberzustehen. Aber erstaunlicherweise war Alfred Kalb das nicht. Er verdiente sein Geld als Hemdenfabrikant. Obschon der am 6. Februar 1932 in Aschaffenburg Geborene von Kindesbeinen an den Wunsch hegte, Kapellmeister zu werden. Er erlernte als Schüler auch Klavier und Geige.

Doch in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit gab es für seine musischen Interessen keine Entfaltungsmöglichkeiten.


In der Wäschefabrik

So machte er nach dem Abitur eine Ausbildung in der Textilindustrie und trat in die Wäschefabrik des Vaters und des Onkels ein. 1956 wurde er deren Geschäftsführer. Er baute ein im In- und Ausland operierendes Unternehmen auf, das in seiner Blütezeit rund 1000 Menschen beschäftigte.



Collegium Musicum erhalten

Doch schon während seines Berufslebens, aus dem er sich in der 1990er-Jahren zurückzog, blieb er der Musik eng verbunden. Als deren ehrenamtlicher Förderer machte er sich weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen. So setzte er sich in den 90-er Jahren erfolgreich für den Erhalt des Collegium Musicum ein, dem das Aus drohte. Zur langfristigen Unterstützung dieses Aschaffenburger Orchesters gründete er den Philharmonischen Verein. Auch Veranstaltungsreihen wie die Schlosskonzerte und »Champagner Musicale« sind seinem Engagement zu verdanken.

Nicht nur seinem. Das Wirken Alfred Kalbs ist ohne seine Frau Romy Kalb-Gundermann eigentlich nicht denkbar. In 65 Ehejahren unterstützte sich das Paar vielfach gegenseitig beim Engagement für Musik und Kultur. Denn auch Romy Kalb-Gundermann lebt für die Musik. In den 1960er-Jahren war sie eine gefeierte Sopranistin und nach ihrer Gesangskarriere widmete sie sich der Organisation von Musikveranstaltungen.


Komponist und Pianist

Alfred Kalb wirkte nicht nur hinter den musikalischen Kulissen. Gelegentlich betrat er auch selbst die Bühne. Als Pianist – etwa als Begleiter seiner Frau – oder als Dirigent. Auch schuf er eigene Werke, die in der Burg der Schlaraffia, deren Mitglied er war, aufgeführt wurden. Seine Orchesterfassung einer Klaviersonate Franz Schuberts erlebte unter seinem Dirigat vor zehn Jahren in der Stadthalle die Uraufführung. Rund drei Jahre vor seinem Tod begann er noch mit der Arbeit an seiner ersten eigenen großen Orchesterkomposition - einem viersätzigen Klavierkonzert in a-Moll.

Die Uraufführung dieses Konzerts schenkte ihm seine Frau vergangenes Jahr zum Geburtstag. Ein Liebesbeweis der ganz besonderen Art. Und ein Dankeschön dafür, sagt die heute 85-Jährige, dass er sie zeitlebens unterstützt habe.

Wenige Tage nach seinem 87. Geburtstag ging im Aschaffenburger Theater die Premiere über die Bühne. Alfred Kalb konnte nicht persönlich dabei sein. Er erlebte die Aufführung jedoch in seinem Haus in Aschaffenburg, wohin sie per Video übertragen wurde.


Kinder und Enkelkinder

Was Alfred Kalb die Musik bedeutet haben muss, erschließt sich aus dem, was er Ende 2018 anlässlich der bevorstehenden Aufführung seiner Orchesterkomposition sagte: Sein erstes Stück, erinnerte er sich, habe er im Alter von zehn Jahren geschrieben. »Ich war damals«, so meinte er, »von der Musik so gerührt, dass mir die Tränen kamen.« Dem ist nichts hinzuzufügen.

Alfred Kalb, der nächste Woche beerdigt wird, hinterlässt neben seiner Frau zwei Kinder und zwei Enkelkinder.

Carsten Schumacher