50 und kein bisschen Müde

 
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Auszug Main-Echo 01.10.2018 | Redakteur: Heinz Linduschka / Main-Echo

ASCHAFFENBURG. Wenn der Jubilar die Musikfreunde an seinem 50. Geburtstag so beschenkt, dann ist klar: Das Collegium Musicum Aschaffenburg kann 50 Jahre nach seiner Gründung mehr als zufrieden sein und optimistisch in die Zukunft schauen. Das Aschaffenburger Stadttheater war am Samstag voll besetzt, als die gut 60 Musiker knapp zwei Stunden die Zuhörer mit drei Kompositionen aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert zu Beifallsstürmen hinrissen - bei Klassikkonzerten nicht die Regel.

Abschied nach 13 Jahren

Hubert Buchberger hätte sich keinen schöneren Abschluss seiner 13-jährigen Tätigkeit als künstlerischer Leiter des Ensembles wünschen können. Das Collegium Musicum versteht sich als »semiprofessionelles Orchester und hat sich die Aufgabe gestellt, durch vielfältige Konzertangebote flexibel und engagiert auf die Bedürfnisse von Stadt und Region einzugehen. Das Konzert am Samstag ließ keinen Zweifel, dass die »Mission« mit dem großen bürgerschaftlichem Engagement voll und ganz erfüllt ist.

Das große Orchester überzeugte vom ersten Ton an durch seine Geschlossenheit und Harmonie, verband große Konzentration und blitzsaubere Einsätze mit einer, bewundernswerten Ausgestaltung der dynamischen Herausforderungen und beherrschte die zahlreichen Tempowechsel souverän und bruchlos.

Robert Schumanns »Ouvertüre, Scherzo und Finale in F-Dur" von 1841 war der ideale Einstieg in den Abend. Mit Eleganz und spürbarer Leichtigkeit interpretierte das Orchester dieses Werk, das eher gefällig und wie eine Sinfonie ohne langsamen Satz wirkt. Sanft beginnt die Ouvertüre, bevor sie sich zu rasantem Allegro steigert. Das kraftvolle Finale mit seinem sieghaften, optimistischen Schluss gab für den ganzen Abend die Grundstimmung vor: Die Musik'unterstrich die gute Laune der fröhlichen Geburtstagsfeier.

Daran änderte auch die 2. Sinfonie Ludwig van Beethovens nichts - im Gegenteil. Der Komponist setzte seiner 1802 schon spürbaren Ertaubung dieses Werk in hellem D-Dur entgegen. Sein Optimismus spiegelte sich schon im ersten Satz, als das Orchester unter Buchbergers erfreulich uneitler Leitung Lebensfreude in Töne bannte und verblüffend leicht die scheinbar disparaten Elemente zur Harmonie führte: lyrische Idylle, Phasen des typischen Beethoven-Pathos' und wilde Klänge, die entfernt an Schlachtengetümmel erinnerten. Der minutenlange Beifall bewies: Dieser Auftritt der Musiker hatte die schwere Aufgabe gemeistert, nach dem unumstrittenen Höhepunkt des Abends nicht abzufallen.

Dieser Höhepunkt war zweifellos Jacques Iberts berühmtes Flötenkonzert von 1934 - ein virtuoses Werk, das an das Orchester und vor allem an die Querflöten-solistin allerhöchste Ansprüche stellte: an deren Technik, das Ausdrucksvermögen und auch an die Kondition. Vor allem das brillante, temporeiche Finale nach dem zweiten Satz, der mit Jazzelementen und fast schmerzlich-schönen Harmonien spielt, begeisterte. Orchester und Solistin Clara Andrada de la Calle wurden mit euphorischem Beifall gefeiert und zu einer kleinen Zugabe »gezwungen«.

Beeindruckende Solistin

Die im spanischen Salamanca geborene Soloflötistin des HR-Sinfonieorchesters, seit sieben Jahren auch Soloflötistin des Chamber Orchestra of Europa, ließ bei ihrem Spiel nie die geringste Anstrengung spüren und bewältigte auch die größten Herausforderungen mit einer spielerisch wirkenden Leichtigkeit und Eleganz. Dass das, semiprofessionelle Ensemble aus Aschaffenburg dieses Niveau im Zusammenspiel souverän halten konnte, beweist, welchen Schatz die Stadt und die Region mit dem Collegium Musicum besitzen. Der Besuch und der Beifall bewiesen: Die Klassikfreunde vor Ort wissen das offensichtlich zu schätzen.

Carsten Schumacher